Zero Project: Neuer internationaler Think Tank mit österreichischen Wurzeln identifiziert vorbildliche Projekte für Menschen mit Behinderung
Österreich liegt bei Inklusion von Menschen mit Behinderung im Mittelfeld
Mit dem ersten Zero Project Report wird heute eine neuartige, international vergleichende Studie zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung präsentiert, die deren tägliches Leben und Rechtssituation spürbar verbessert. Initiator des Zero Project – Zero im Sinn von „zerobarriers“ – ist die Essl Foundation mit Sitz in Klosterneuburg. Kernelemente der Studie sind neben Indikatoren zur sozialen Inklusion von Menschen mit Behinderung erstmals auch vorbildliche Umsetzungen (Good Practices) und international besonders gut gelungene Gesetze (GoodPolicies). Ausgewählte GoodPolicies werden am 22. und 23. Jänner 2012 auf der internationalen Zero Project Conference in Wien in Kooperation mit dem World Future Council und der Bank Austria vorgestellt und mit 200 internationalen Entscheidungsträgern diskutiert.
Im internationalen Vergleich liegt Österreich im Mittelfeld, was die soziale Inklusion von Menschen mit Behinderung betrifft. Das geht aus dem aktuellen Zero Project Report hervor, der anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 3.12. veröffentlicht wird. Die Essl Foundation publiziert damit nach einem Pilotprojekt im Vorjahr (Essl Social Index) erstmals eine derart umfangreiche, international vergleichende Studie zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN CRPD). Die Studie wurde in 36 Staaten durchgeführt. Insgesamt wurden über 100 Experten befragt und dafür ein internationales Netzwerk von Personen mit Behinderung, NGOs, Sozialunternehmern, Stiftungen, Unternehmen, Wissenschaftlern, Politikern etc. aufgebaut. Auf dieser Basis wird der Zero Project Report regelmäßig wiederholt werden.
Ziel des Zero Project ist es, sich mit regelmäßigen Publikationen, Kongressen und einer Website als international führender Think Tank zum Abbau von Barrieren im Sinn der UN-Konvention zu etablieren. Es ist neben dem jährlich verliehenen Essl Social Prize das zweite langfristige Projekt der Essl Foundation.
Ergebnisse der Studie: Großbritannien top, Österreich im Mittelfeld
Insgesamt wurden 36 Staaten im Hinblick auf 21 Indikatoren zur sozialen Inklusion verglichen. Für Österreich identifiziert der Zero Project Report akuten Handlungsbedarf bei Statistiken über Menschen mit Behinderung (etwa bei Ausbildung, Hochschulabschluss, Beschäftigung oder Wohnsituation), beim Rechtsanspruch auf finanzielle Unterstützung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und bei der Barrierefreiheit, beispielsweise der Schulung von Busfahrern oder bei Katastrophen-Frühwarnsystemen. In Großbritannien, das in der diesjährigen Studie am besten abgeschnitten hat, existieren hierfür bereits durchgehend gute Lösungen, das wichtige „Recht auf Unterstützung beim Wählen“ ist dort hingegen nur teilweise gewährleistet.
Eine Besonderheit von Österreich ist, dass viele der sozialen Indikatoren in die Kompetenz der Bundesländer fallen. Daher wurden im Rahmen der Studie auch lokale NGOs zu 13 der insgesamt 21 untersuchten Themen befragt. Deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt es etwa bei der Barrierefreiheit von Gebäuden, die in Kärnten und Oberösterreich am besten gewährleistet ist. Oberösterreich und Tirol erheben hingegen als einzige offizielle Statistiken über die Ausbildung/Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, und Oberösterreich ist auch das einzige Bundesland, indem der finanzielle Anspruch auf die Teilnahme an der Gesellschaft gesetzlich verankert ist. Die allgemeine Zugänglichkeit von Arztpraxen ist bislang in allen Bundesländern nur bei Neubauten gewährleistet. Wien hast als bislang einziges Bundesland den gesetzlich vorgeschriebenen „Focal Point“ zur Überwachung der Umsetzung der UN-Konvention eingerichtet.
Zero Project Conference: Internationales „Gipfeltreffen“ in Wien
Die „International Conference on GoodPoliciesforDisabledPeople“ findet zum ersten Mal am 22. und 23. Jänner 2012 in Wien in Kooperation mit der Hamburger Stiftung World Future Council und dessen Gründer Jakob von Uexküll sowie der UniCredit Bank Austria statt. Von einem wissenschaftlichen Beirat wurden acht GoodPolicies ausgewählt, die bei der Konferenz präsentiert und mit 200 internationalen Entscheidungsträgern aus dem Bereich der Behindertenpolitik diskutiert werden, wie beispielsweise das schwedische Ombudsmann-System das die Sachwalterschaft ersetzt oder die fast vollständige Abschaffung der Sonderschule in Italien. Zum ersten Mal werden dabei Parlamentarier, Vertreter von NGOs und Stiftungen, Wissenschaftler und Aktivisten für die Rechte der Menschen mit Behinderung zusammentreffen, um diese vorbildlichen Gesetze zu diskutieren und für andere Länder nutzbar zu machen.
„Wir freuen uns, mit dem World Future Council und Jakob von Uexküll,dem Gründer desRightLivelihood Award, der vielen als „Alternativer Nobelpreis“ bekannt ist, die bestmöglichen Partner für das Zero Project gewonnen zu haben“ erklärt KR Martin Essl, CEO der bauMax AG sowie Gründer der Essl Foundation.
„Als Unternehmen, das soziale Verantwortung ernst nimmt, unterstützen wir das Zero Project aus vollen Kräften und freuen uns, einen Beitrag zu einer barrierefreien Welt leisten zu können“ erklärt Willibald Cernko, Vorstandsvorsitzender der UniCredit Bank Austria AG.
Zero Project Website: Interaktive Plattform für Vernetzung
Auf der Zero Project Website www.zeroproject.org stehen die im Report identifizierten Good Practices und GoodPolicies im Mittelpunkt. Die Seite startet im Jänner 2012 und wird als interaktive Plattform für Menschen mit Behinderung, NGOs, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft verschiedenste Formen von Beteiligung ermöglichen. Insgesamt 27 ausgewählte Good-Practice-Beispiele bilden vorerst das Kernstück der Website, wie z.B. das Projekt „discoveringhands“, wo blinde Frauen für die Brustkrebs-Früherkennung ausgebildet werden. Ein anderes Vorzeigeprojekt ist der Live-Transkriptions-Service der Firma VerbaVoice, mit dem Vorträge über das Internet live untertitelt werden können.
